Presseschau vom 16. Januar 2008
Quelle: http://www.diepresse.com/
Datum: 16. Januar 2008
Referent: Sara Salvetti
Nach Protesten von Professoren und Studenten verzichtet Benedikt XVI. auf einen Besuch in der Universität La Sapienza in Rom. Nach anhaltenden Störmanövern hat Papst Benedikt XVI. seinen geplanten Besuch an der römischen Universität „La Sapienza“ abgesagt.
Renato Guarini, Rektor der mit 135.000 Studenten und 4500 Professoren größten Uni Europas, hatte den Papst dazu eingeladen, beim Festakt zur Eröffnung des Akademischen Jahres zum Thema „Todesstrafe“ zu sprechen. Doch 67 emeritierte Physik-Professoren protestierten. Sie finden „Papa Ratzinger“ untragbar, weil er vor 17 Jahren den Inquisitionsprozess gegen Galileo Galilei „vernünftig und gerecht“ nannte. Die Studenten formten den Protest zum Volksfest um. Sie riefen eine „antiklerikale Woche“ aus. Die Wahlsprüche waren „Befreit die Sapienza aus der Geiselhaft des Papstes!“ und „Die Wissenschaft braucht weder Väter noch Priester!“. Dem Studentenführer Francesco Raparell nach ist Bekedikt intolerant, da er keine Meinungen äußert, sondern Anweisungen gibt.
Auch in diesem Fall haben aber die Professoren falsch zitiert: Ratzingers halber Satz zu Galilei war nicht seine Meinung, sondern ein Zitat des österreichischen Wissenschaftstheoretikers Paul Feyerabend. Auch hat die Kirche unter Ratzingers Federführung den vor 375 Jahren verurteilten Galilei längst rehabilitiert. Wesen der Unis sollte der freie Gedankenaustausch sein. Das gilt aber für den Papst nicht. Auf diese Weise geht Italiens Tradition der Toleranz nieder.
Kommentar
Der Verzicht vom Papst Benedikt XVI. auf seinen geplanten Besuch in der römischen Universität „La Sapienza“, hat zu großem Echo bei vielen Medien Deutschlands geführt. Auch Die Welt und Das Tageblatt haben diesem Thema große Aufmerksamkeit gewidmet.
Die Welt unterstreicht, dass die künstlichen Spannungen militanter Demonstranten gegen den Papst der traditionellen Offenheit und Toleranz des Landes völlig entgegenstehen. Außerdem ist es erstmals dem Bischof von Rom nicht mehr möglich gewesen, was bislang allen römischen Päpsten möglich war: sich ohne Probleme in seiner Diözese auf dem italienischen Staatsgebiet zu bewegen und überall empfangen zu werden.
Das Tageblatt hat die Meinungen der italienischen Politiker zitiert. Präsident Napolitano drückte seine „Verbitterung“ über die „Demonstrationen der Intoleranz“ aus. Premier Prodi, der dem vatikanischen Staatssekretär Bertone noch Sicherheitsgarantien gegeben hatte, verurteilte das „inakzeptable Klima, das der traditionellen Toleranz Italiens nicht zur Ehre gereicht“. Für Oppositionsführer Berlusconi ist die Absage eine “Affäre, welche die italienische Universität und den italienischen Staat verletzt und demütigt“.
Hintergrundsinformationen
Galileo Galilei stand 1632/33 in Rom wegen seiner Lehre, die Erde sei nicht Zentrum des Alls, vor der Inquisition. Er widerrief und lebte bis zu seinem Tod in Hausarrest. 1990 zitierte Benedikt XVI. Paul Feyerabend: „Die Kirche hielt sich viel enger an die Vernunft als Galilei. Ihr Urteil war rational und gerecht“.
Papst Benedikt XVI. Geboren am Karsamstag, dem 16. April 1927, in Marktl am Inn und am selben Tag noch mit dem neu geweihten Osterwasser getauft, zog Joseph Ratzinger mit seiner Familie 1929 nach Tittmoning. Auch die weiteren Stationen der Familie lagen im Erzbistum München und Freising. Das humanistische Gymnasium in Traunstein besuchte Joseph Ratzinger bis er zu Ostern 1939 in das Erzbischöfliche Studienseminar in Traunstein eintrat. Zu Weihnachten 1945 trat er in das Priesterseminar der Erzdiözese auf dem Freisinger Domberg ein und begann das Studium an der dortigen Philosophisch-Theologischen Hochschule. Ab dem Wintersemester 1974/48 setze er seine Studien an der Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München fort. 1951 empfing er zusammen mit seinem Bruder Georg im Freisinger Dom die Priesterweihe durch Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber. Während seiner theologischen Promotion war Joseph Ratzinger 1952-54 bereits Dozent im Erzbischöflichen Klerikalseminar in Freising. Danach vertrat er 1954-57 dort den Lehrstuhl für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule. Nach Abschluss der Habilitation an der Universität München lehrte Joseph Ratzinger als außerordentlicher Professor weiter in Freising, bis er zum Sommersemester 1959 als Ordinarius für Fundamentaltheologie an die Universität Bonn wechselte. Der Kölner Erzbischof Kardinal Frings nahm den jungen Professor als seinen theologischen Berater mit zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965). 1969 wechselte Ratzinger an die neu gegründete Universität Regensburg. Am 25. März 1977 ernannte Papst Paul VI. Ratzinger zum Erzbischof seines Heimatbistums. Der Wahlspruch des Papstes („Cooperatores Veritas“) ist dem 3. Johannesbrief entnommen. Für das bischöfliche Wappen wählte er drei Motive: die Muschel (Zeichen unserer Pilgerschaft); den gekrönte Mohr (Ausdruck de Universalität der Kirche) und den bepackten Bär (Symbol des hl. Korbinian).
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen