Presseschau vom 23. Januar 2008
Quelle: http://www.ftd.de/
Datum: 17. Januar 2008
Referent: Sara Salvetti
Schon seit Ende Dezember wird in Neapel kein Müll mehr weggeräumt und zwar wird der Müll der Zwei-Millionen-Stadt Neapel seit dem 21. Dezember nicht abtransportiert, weil die Deponien voll sind. Eine Lösung ist dringend notwendig, aber die italienischen Politiker scheinen nicht in der Lage zu sein, diese schwierige Situation zu verbessern: Seit 14 Jahren beschäftigen sie sich mit dem Problem fehlender Deponien und Verbrennungsanlagen aber leider haben sie noch keinen Plan zum Müllmanagement in die Tat umgesetzt. Als Folge wird ein Viertel des italienischen Mülls von rund 23 Millionen Tonnen illegal entsorgt. Das bringt nicht nur die Bewohner sondern auch die Europäische Union in Rage.
Der Umweltkommissar Stavros Dimas sagte nämlich vor dem EU-Parlament in Straßburg, dass seine Behörde das im Juni eingeleitete Vertragsverletzungsverfahren weiterverfolgen werde, sollte Rom die Müllentsorgung nicht in den Griff bekommen. Außerdem sollten die Spekulationen über die Rolle der organisierten Kriminalität nicht genutzt werden, um zu verstecken, dass der wirkliche Grund für die Müllkrise der fehlende politische Wille ist, die nötigen Schritte zur Lösung zu ergreifen. Dort könnte die EU Italien eine Frist setzen. Reagiert Rom nicht, befasst sich der Europäische Gerichtshof mit dem Fall. Erfüllt Italien das Urteil nicht rechtzeitig, so droht eine Geldstrafe. In der Zwischenzeit arbeitet die italienische Regierung weiter am Anfang des Monats vorgestellten Aktionsplan.
Kommentar
Das Thema des „Müllnotstandes” hat die Aufmerksamkeit der deutschen Presse erweckt. In der Tat haben sich wichtige Zeitungen wie Die Zeit und die Frankfurter Allgemeine Zeitung damit beschäftigt.
Um die Tragweite des Problems deutlich zu machen, listet Die Zeit die bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt Neapel auf, die vom Müll bedeckt sind. Der Müll befindet sich nämlich unter dem Archäologischen Museum von Neapel, auf den Hängen des Vesuv, im Hafen von Pozzuoli, wo die Fähren nach Ischia und Procida auslaufen und auf der monumentalen Piazza di Plebiscito. Der Zeitung nach sind diese Bilder Bilder wie aus dem Inferno.
Die Zeitschrift unterstreicht auch, dass eine Großstadt, die an ihrem eigenen Müll erstickt, emblematisch für ein vollkommen erstarrtes Land ist. Verantwortlich für den Niedergang Italiens ist eine schwache und entscheidungsunfähige Politik, die die Vorherrschaft der Camorra nicht bekämpfen kann, die seit vielen Jahren mit Müll handelt.
Schließlich werden zwei weitere Aspekte hervorgehoben: die Gesundheitsfolgen des Müllnotstandes (d.h. eine höhere Anzahl an Krebsfällen und kranken Säuglingen) und die Tatsache, dass der Müll auf den Zug gepackt und für teures Steuerzahlergeld nach Nordrhein-Westfalen geschickt wird. Der Müll ist ein Geschäft, an dem man verdienen kann. Deshalb klagen die Italiener, dass die Deutschen aus ihrem Müll sogar Strom gewinnen, während sie dafür noch zahlen.
Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung glaubt, dass die Abfallberge von Neapel zum Symbol für den drohenden Niedergang Italiens werden. Dass nach so langer Zeit und mittlerweile dem neunten Notstandskommissar noch immer nichts Entscheidendes bewegt wurde, ist auf eine typisch neapolitanische Eigenheit zurückzuführen: Die Gewöhnung an chaotische Zustände stärkt seit Generationen den Glauben, dass man sich mit Schlauheit irgendwie durchwursteln kann.
Schließlich wendet sich die Zeitung an die italienischen Medien, in denen die Mülltransporte nach Deutschland mit Seitenhieben auf die Geschäftemacherei der Deutschen versehen werden. In den
Hauptnachrichten des Staatssenders Rai wurde Deutschland als ein Land beschrieben, das sich freiwillig zur Müllkippe Europas gemacht hat. Deshalb unterstreicht die FAZ, dass die Deutschen gut daran verdienen und dass sie fähig sind, den nicht nach Wertstoffen getrennten Müll aus Neapel maschinell zu sortieren und zu verwerten.
Freitag, 11. April 2008
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