Presseschau vom 9. Januar 2008
Quelle: http://www.zeit.de/
Datum: 6. Dezember 2007
Referent: Sara Salvetti
Die Neuaufnahmen des Oratoriums „Salomon“ von Händel in den deutschen Theatern zeigen, wie viel Ironie sich in diesem Werk verbirgt. In seinem Oratorium vom Jahr 1749 bezieht sich Händel auf den frisch gekrönten Georg II. Die Hauptfigur von Salomon geht aber auf die Bibel zurück. Im Alten Testament wird nämlich von zwei Frauen erzählt, die an den Armen eines Kindes zerren, das beide als das eigene ausgeben. Salomon kündigt an, das Kind mit einem Schwert gerecht zu halbieren. Unter Tränen trennt sich die echte Mutter von ihrem Kind, da ihm kein Leid widerfahren soll. Auf diese Weise wird sie als Mutter anerkannt.
Georg Friedrich Händel machte die weibliche Figur der echten Mutter zum dramatischen Zentrum in seinem Oratorium Solomon und ringsum gruppierte er Szenen des Staunens und der Verehrung für Salomon, die Lichtgestalt. Es gab Anspielungen auf den neuen König Georg II, da Händel den Briten nach kriegerischen Jahren einen goldenen Horizont malen wollte. Trotzdem erweist Händel sich vor allem als seelenkundig und als subtiler Ironiker. Er lässt Salomon als einen Machtmenschen erscheinen, der gleichsam die Scheinwerfer auf seine Güte lenkt, im Priester Zadok einen Liebediener installiert und seine Israeliten zum Huldigungsvolk erzogen hat. Jubel, wohin man hört: auf Gott Jehova, auf die Ehe Salomons mit seiner neuen Gemahlin, der Tochter des Pharaos; auf die Gerechtigkeit im Mutterstreit; schließlich auf die Blendung der Königin von Saba. Die Vermutung, Händel habe in diesem Kabinettstückchen die Extravaganz des untergegangenen Hauses Stuart spiegeln wollen, ist nicht von der Hand zu weisen. Solomon ist eine von Händels besten Partituren. Bemerkenswert ist das Duett, das Salomo mit einer fremden Monarchin singt, dessen amouröse Terzen einen ebenso hohen Flirtfaktor besitzen wie der
Zwiegesang zwischen Herrn und Frau Salomo im ersten Akt. Grandios gelingt auch die murmelnde Süße des Nachtigallen-Chores am Ende des ersten Aktes.
Hintergrundsinformationen
Solomon ist ein Oratorium in drei Teilen von Georg Friedrich Händel. Die Uraufführung fand am 17. März 1749 im Theatre Royal in Covent Garden, London statt. Der Librettist ist unbekannt. Man vermutet aber, dass Thomas Morell den Text geliefert haben könnte. Das Libretto basiert im wesentlichen auf den Büchern der Könige (1 Kön 1-11) und der Chronik (2 Chr 1-9). Für den Besuch der Königin von Saba fanden die Antiquitates Judaicae des jüdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus Verwendung.
Georg Friedrich Händel. (* 23. Februar 1685 in Halle (Saale); † 14. April 1759 in London) war ein Komponist im Zeitalter der Aufklärung, der vor allem durch seine zahlreichen Opern und Oratorien zu großer Berühmtheit gelangte. Zu seinem Hauptwerk zählen rund 40 Opern und 25 Oratorien, darunter auch das Oratorium The Messiah (Der Messias).
Die einzige Quelle über Händels Jugend ist die von dem Theologen John Mainwaring (1735-1807) 1760 in London veröffentlichte Biographie Memoirs of the life of the Late George Frederic Handel. Sein Vater war Barbier und Wundarzt, sowie Hofchirurg des Herzogs Johann Adolf I. von Sachsen-Weißenfels und er nahm den Sohn mit nach Weißenfels, als der noch keine acht Jahre alt war. Dann wurde Händel 1697 an den preußischen Hof in Berlin geschickt. Der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. war vom Können des Zwölfjährigen so beeindruckt, dass er Händels Vater anbot, dem Sohn eine Musikausbildung in Italien zu finanzieren. Händels Vater nahm jedoch das Angebot nicht an. Sehr wichtig für Händel und seine Kunst sind auch seine Aufenthalte in Hamburg, Italien und London gewesen.
Händels 46 Opern folgen dem Typus des Dramma per musica, der aus einer Folge von Secco-Rezitativen und Da-capo-Arien besteht. Im Laufe der Zeit entwickelte er die Oper weiter, ohne jedoch mit der etablierten Form zu brechen. Neben Arien gibt es Duette, seltener Terzette oder Quartette.
Händels Opern-Ouvertüren folgen dem von Lully geprägten französischen Typus. Die Libretti sind oftmals aus venezianischen Vorlagen abgeleitet, entgegen der allgemeinen Popularität der Metastasio-Texte benutzte Händel nur dreimal Libretti dieses Dichters. Schon während seiner Zeit als Komponist italienischer Opern entwickelt Händel eine neue Kunstform: Das englische Oratorium. Händel widmet sich auch der Kirchenmusik, der Orchestermusik und den Orgelkonzerten. Dank seiner vielfältigen Tätigkeit genoss er schon zu Lebzeiten den Rang eines Klassikers.
Freitag, 11. April 2008
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen