Presseschau vom 31. Oktober 2007
Quelle: Der Spiegel
Datum: 22. 10 2007
Referent: Elena Zacco
In diesem Artikel geht es um die Wiedereröffnung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Diese Bibliothek ist ein wirkliches Kleinod. Sie gehört zum Unesco- Welterbe nicht nur dank ihrer glänzenden Rokoko-Schönheit, sondern auch dank ihrer berühmten und reichen Büchersammlung. Die Regentin Anna Amalia (1739 – 1807) hatte den herzoglichen Schatz in das umgebaute Grüne Schloss bringen lassen, wo sich die Bibliothek noch heute befindet. Tausende kostbare Bücher, insgesamt 200 000, viele Gemälde und eine wertvolle Musikaliensammlung blieben über zwei Jahrhunderte hier unversehrt, bis ein defektes Kabel am 2. September 2004 einen großen Brand verursachte. Die Brandschäden waren beträchtlich. Was unglaublich ist, das Feuer verwüstete große Teile des Gebäudes und der Büchersammlung nur wenige Wochen, bevor sie in ein neues Magazin gebracht werden sollte. Schon in den neunziger Jahren hatte der Bibliotheksdirektor Michael Knoche dringend nötige Renovierungsarbeiten angemahnt aber nichts wurde gemacht.
Ironie der Geschichte: Die Namenspatronin Anna Amalia hatte im Jahr 1768 mit der Gründung der Brandassekurations-Sozietät die erste Feuerversicherung in Weimar eingeführt. Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Bibliothek mit eisernen Türen und einer Feuerrutsche für Bücher ausgestattet, die unglücklicherweise 2004 nicht mehr zu gebrauchen war. Jetzt stehen die erste Folianten wieder auf den Regeln, auch wenn die aufwendige Buchrestaurierung erst 2015 abgeschlossen sein wird. Die Stiftung hat mehr als 10 Million Euro allein für die Wiederbeschaffung der Bücher erhalten.
Die Spuren des Feuers sind nur in den Arbeitsplätzen im obersten Stockwerk zu sehen. Aus diesem Grund nennt man die Bibliothek heute „ein strahlender Vogel Phönix mit verkohlten Federspitzen“.
Der Brand führte den Deutschen drastisch vor den Augen, wie schnell sie ihr kulturelles Erbe verlieren können. So seufzt die ganze Nation erleichtert, als sie von der Wiedereröffnung der Bibliothek erfuhr und alle Zeitungen konnten nicht umhin, darüber zu berichten. In Weimar stieg das Fest auf der Rathauswiese am 24. Oktober, dem Geburtstag der Namenspatronin. Das Fernsehen war dabei und an dem selben Tag konnte man von dem Ereignis in den Webseiten der Zeitungen und Zeitschriften lesen.
In der Webseite Focus. de vom 24. Oktober erschien ein Artikel, dessen Titel lautete Anna Amalia Bibliothek eröffnet. Nach einem kurzen Bericht des feierlichen Aktes betonte hier der Journalist die Solidarität, die die Brandkatastrophe im In – und Ausland ausgelöst hat. 21 Millionen Euro wurden für die Restaurierung und Wiederbeschaffung von Büchern gespendet. Während der Feier sagte der Bibliothekdirektor, es sei, als ob das Feuer 2004 nicht nur zerstört habe, sondern auch den Geist von Weimar freigesetzt habe.
Auch die Webseite der Süddeutschen Zeitung vom 24. Oktober berichtete über die Wiedereröffnung des Symbols der deutschen Klassik. In dem Artikel mit dem Titel „Ein Freudentag für die Kulturnation“ konnte man einen Bericht der Feier lesen. Der Titel bezog sich auf die Rede des Bundespräsidenten Horst Köhler, der die Feier eröffnet hat. Er würdigte die große Spendenbereitschaft für den Wiederaufbau und unterstrich, dass dieses Engagement belege, wie viel Bedeutung und Wertschätzung die Menschen dieser historischen Bibliothek entgegenbringen.
HINTERGRUNDINFORMATION
ANNA AMALIA VON BRAUNSCHWEIG – WOLFENBÜTTEL
Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach wurde am 24. Oktober 1739 in Wolfenbüttel geboren. Sie war eine deutsche Herzogin. Als sie nur 16 Jahre alt war, heiratete sie Ernst August II. Constantin von Sachsen – Weimar – Eisenach, der nach zwei Jahren starb. Anna Amalia blieb bis zu ihrem Tod am 10. April 1807 verwitwet. Gemäß der testamentarischen Verfügung ihres Mannes führte die Herzogswitwe seit dem 30. August 1759 die obervormundschaftliche Landesadministration in den Herzogtümern Weimar und Eisenach für ihre unmündigen Söhne bis zum Jahr 1775, als sie die Regierung an ihren Sohn Carl August übergab. Sie startete Reformansätze in Justiz und Bildungswesen. Sie war eine Kunstliebhaberin und hatte eine vom Vater ererbten Buchleidenschaft. Sie interessierte sich für das künstlerische Leben von Weimar und ihr Engagement machte die Stadt zum Zentrum der deutschen Klassik. Künstler und Gelehrte wie Wieland, Goethe, Herder und Schiller genossen ihres Schutzes und sie überzog für die Ausstattung ihrer geliebten Bibliothek regelmäßig das Budget. Sie starb am 10. April 1807 in Weimar.
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