Presseschau vom 6. Februar 2008
Quelle: Freie Presse
Datum: 24. Januar 2008
Referent: Sara Salvetti
Zum 60. Todesjahr des bayerischen Komikers Karl Valentin (1882-1948) widmet der Martin-Gropius-Bau dem Künstler eine Ausstellung. Das Werk des Kabarettisten, Autors und Filmproduzenten wird mit über 300 Ausstellungsstücken illustriert. Sehr interessant ist, dass der komplexe Medienbezug seines Werks im Zentrum steht. Zu sehen sind unter anderem Fotos, Original-Handschriften, Briefe, Zeichnungen, Plakate, Schallplatten und Filme. Die Ausstellung trägt den Titel „Karl Valentin. Filmpionier und Medienhandwerker“ und sie ist bis zum 21. April zu besichtigen.
Valentin wurde 1882 als Valentin Ludwig Fey in München geboren. Der Durchbruch gelang ihm 1911 durch Sketche mit seiner Bühnen-Partnerin Liesl Karlstadt. Valentin ist auch sehr wichtig gewesen, weil er mit seinem Humor zahlreiche nachfolgende Künstler beeinflusst hat, darunter Bertolt Brecht und Loriot. Sein Sprachwitz gilt noch heute als legendär.
Kommentar
In der deutschsprachigen Presse hat die Nachricht der Ausstellung zum 60. Todesjahr von Karl Valentin keinen großen Anklang gefunden. Nur die Zeitung Die Welt widmet ihr einen Artikel.
Die Welt zitiert die Worte des bayerischen Schriftstellers Oskar Maria Graf (1894-1967), die auch in der Ausstellung zu lesen sind: „Ich behaupte, dass dieser ganz große, durchaus einmalige Komödiant, wäre er als junger Mensch nach Hollywood gekommen, Chaplins Ruhm erreicht hätte, und dies mit vollem Recht“.
Außerdem hebt diese Zeitung hervor, dass eine Ausstellung über Karl Valentin in seiner Heimatstadt München noch nicht stattgefunden hat. In Bayern hat man noch immer nicht begriffen, welchen Stellenwert Valentin in der Kunstgeschichte hat. Auch die Ausstellungen zum 125. Geburtstag wurden nur in Düsseldorf und Frankfurt am Main organisiert.
Schließlich unterstreicht die Welt, dass Karl Valentin am 9. Februar 1948 in seinem Haus in Planegg bei München verarmt, halbverhungert und von vielen seiner Zeitgenossen damals so gut wie vergessen starb.
Hintergrundsinformationen
Karl Valentin (* 4. Juni 1882 in München; † 9. Februar 1948 in Planegg bei München; eigentlich Valentin Ludwig Fey) war ein bayerischer Komiker, Kabarettist, Autor und Filmproduzent. Er stand dem Dadaismus, aber auch dem Expressionismus nahe. Der Humor seiner Sketche und Stücke beruhte insbesondere auf seiner Sprachkunst bzw. seinem „Sprach-Anarchismus“. Sein Humor wurde durch seine lange, hagere Gestalt unterstützt. Der Pessimismus und die Tragik seiner Komik wurden durch den ständigen Kampf mit alltäglichen Dingen wie der Auseinandersetzung mit Behörden und Mitmenschen genährt, die er auch selbst erlebte.
Valentins wichtigste Partnerin auf der Bühne war Liesl Karlstadt. Mit ihr gelang ihm 1911 der Durchbruch in München. Fortan trat er mit ihr in zahlreichen Sketchen auf. Nach einer erfolglosen Tournee durch verschiedene Städte kehrte Valentin 1908 nach München zurück, wo er den Monolog Das Aquarium schrieb. Ab 1912 war Valentin, der sich in München ein eigenes Filmstudio eingerichtet hatte, Darsteller in etwa 40 Kurzfilmen. 1929 drehte Valentin seinen letzten Stummfilm Der Sonderling. Mit Bertolt Brecht parodierte er 1922 die Trommeln in der Nacht. Die gemeinsame Arbeit der Künstler Valentin und Brecht hat das spätere Schaffen Brechts deutlich beeinflusst. Valentin übernahm in dem surrealistischen Film Mysterien eines Frisiersalons von Brecht und Erich Engel eine Hauptrolle. 1931 eröffnete Karl Valentin ein eigenes Theater (Goethe-Saal) in der Münchner Leopoldstraße, das er allerdings schon nach acht Wochen wieder schließen musste: Valentin beharrte gegenüber der Feuerpolizei auf einem brennendem Zigarettenstummel in einem Sketch. Sein 1934 eröffnetes Panoptikum für Nonsens musste er nach zwei Monaten wieder schließen. Valentin verlor dadurch seine und Karlstadts Ersparnisse; sie erlitt einen Nervenzusammenbruch. Von 1939 an hatte Valentin eine neue Bühnenpartnerin und Geliebte: die 35 Jahre jüngere Annemarie Fischer Seinen letzten größeren Auftritt hatte Valentin 1940 im Deutschen Theater.
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