Samstag, 26. April 2008

Stasi bewacht die Fackel

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Datum: 01. April 2008

Referent: Pozzi Maurizia

Zusammenfassung

In diesem Artikel geht es um die Zeremonie, die am Montag in Peking, auf dem Platz des Himmlischen Friedens stattgefunden hat und die den olympischen Fackellauf gestartet hat.

Diese Zeremonie wurde streng abgeschirmt, um anti-chinesische Demonstrationen zu verhindern. Auch Stasi-Beamte waren da unter tausenden Polizisten, um Sicherheit zu garantieren.

Der chinesische Staatschef hat die Fackel dem berühmtesten Sportler Chinas gereicht. Das Feuer kam aus Griechenland, bzw. aus dem alten Olympia und soll jetzt durch 19 Länder auf 5 Kontinente führen. Der nächste Halt ist Almaty in Kasachstan, dann wird die Fackel am 4. Mai wieder zurück sein, ausgerechnet in Tibet. Über dieses letzte Detail kommt es zu Auseinandersetzungen: In Hannover hat ein Protest stattgefunden, um an VW zu appellieren, damit der einzige Olympiasponsor den Fackellauf durch Tibet nicht unterstützt.

Die Zeremonie wurde durch die Medien vermittelt, jedoch mit einminütiger Verzögerung, damit sie nicht unterbrochen werden konnte. Die Pekinger Bürger wurden vom Spektakel ausgeschlossen.

Was die EU betrifft, greifen Chinas Medien nicht nur den Dalai Lama sondern auch den europäischen Parlamentspräsidenten Hans Gert Pöttering an, weil er den Olympiaboycott nicht sofort ausgeschlossen hat. Es schien den Chinesen, als ob er den Boycott der olympischen Spiele in Peking anstiften wollte. Eine chinesische Auβenamtssprecherin hat betont, dass die EU nicht Salz in die Wunden der Opfer reiben sollte. Natürlich hat die EU geantwortet, dass sie immer einen konstruktiven Dialog zwischen der kommunistischen Regierung und dem Dalai Lama gefördert hat und dass sie noch keine klare Entscheidung getroffen hat.

Hintergrundinformationen

Die in Tibet ausgebrochenen Proteste sind das Produkt von Jahrzehnten nationaler Unterdrückung. In den letzten Wochen führten buddhistische Mönche aus Tibets Hauptstadt grundsätzlich friedliche Demonstrationen zur Erinnerung an einen Aufstand im Jahr 1959 an. Sie wurden aber von bewaffneten Polizisten unterdrückt und viele Mönche kamen ums Leben.

Alles begann mit der Erinnerung an den Jahrestag von 1959, der sich zum Sammelpunkt des tibetischen Nationalismus entwickelt hat. Vor 1953 war Tibet eine Monarchie, die der Dalai Lama regierte. Die chinesische Armee fiel 1953 in das Land ein und kollaborierte zunächst mit dem Dalai Lama . Mit der Erlangung immer größerer Kontrolle über das Land provozierte sie eine Reihe Revolten, die im März 1959 zu einem Aufstand führten. Die chinesische Armee reagierte mit Repressalien, und die Folge war die Flucht von etwa 50.000 Tibetern unter der Leitung des Dalai Lama nach Indien.

Diese schwierige Situation in Tibet spielt jetzt eine zentrale Rolle auf der internationalen Ebene, weil sich die verschiedenen Staaten der Welt entscheiden müssen, ob sie an den olympischen Spielen teilnehmen werden. Chinesische Herrscher unterstützen natürlich die Olympischen Spiele, weil sie China als große Weltmacht zeigen wollen und versuchen die hässlichen Seiten von Chinas Wachstum zu verbergen. Nun stehen sie vor dem Dilemma, die Fackel unter ständiger Militärkontrolle tragen zu lassen oder weitere Demonstrationen für die Unabhängigkeit zu riskieren.


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