Freitag, 11. April 2008

SCHMETTERLINGE IM BLUT

Presseschau vom 12. März 2008 – KULTUR
Quelle: Abendzeitung
Datum: 20. 02 2008
Referent: Elena Zacco

In dem Artikel geht es um die Ausstellung „True Romance“ der Villa Stuck, eine Kooperation mit den Kunsthallen zu Wien und Kiel. Die ganze Stadt München ist seit Wochen plakatiert. Ein literarischer Klassiker ist Ausgangspunkt für diese Bilder-Schau: Petrarcas Sonette an das Idealfräulein Laura werden zur Keimzelle aller Liebes-Kunst, von der Renaissance durch das 19., und das schwüle 20. Jahrhundert bis heute ins Zeitalter der Reproduzierbarkeit. Das Bildvokabular der Erotik hat sich über 2000 Jahre kaum verändert und das wird in der Ausstellung gezeigt. Unzählige Künstler geben der Liebe in der Sprache der Bilder Gestalt. Bestimmt vom Wandel der Zeiten und der ästhetischen Auffassungen, finden sich in den Exponaten veränderte und konstante Motive in der Liebedarstellung, die von den mythologischen Repräsentationen „himmlischer“ und „irdischer“ Liebe in der Renaissance bis zur heutigen Entleerung und Massenverbreitung der tradierten Liebecodes als Ware und neuen Formen des Liebespreises reichen. Die epochen-und genreübergreifende Ausstellung zeigt graphische Arbeiten, Gemälde und Skulpturen sowie Installationen, Fotografien und Videoarbeiten.

HINTERGRUND

Im Hintergrund der Ausstellung steht ein Skandal, der mit einem Bild vom berühmten Künstler Cranach zu tun hat. Die meisten deutschen Zeitungen haben darüber berichtet. Der Londoner Verkehrsbetrieb hat ein Plakat für die große Cranach-Ausstellung der Royal Academy verboten. Warum? Weil die Venus aus dem 16. Jahrhundert unverhüllt ist. Man hat Angst davor, dass so viel nackte Haut Reisende in der U-Bahn verstören könnte. Kritiker sind entgeistert, dass das alte Gemälde eines deutschen Meisters ein öffentliches Ärgernis darstellen kann. Auch in München wurde die Ausstellung „True Romance“ über Allegorien der Liebe von der Renaissance bis heute plakatiert. Die Münchener Verkehrsbetriebe können ihre Londoner Kollegen nicht verstehen. Und der Pressesprecher Volcker Nickel hat zur Cranach Venus eine klare Position: „Das konnte nur in England mit seiner prüden Victorianischen Tradition passieren“. Und die Münchener handeln jetzt nach dem Motto: „Nicht nackt genug für München“.

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